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April 2021

Die dritte Pandemiewelle in der Offensive

Die Pandemiesituation in Polen ist derzeit (1. Hälfte April 2021) am schwierigsten seit Ausbruch der Pandemie vor mehr als einem Jahr. Bisher sind mehr als 2,5 Millionen Menschen erkrankt, und fast 58.000 sind gestorben. Die täglichen Zuwächse an Erkrankungen liegen derzeit bei 30.000, darunter etwa 3.000 in Wielkopolska. Das Gesundheitssystem ist am Ende seiner Kapazitäten. Glücklicherweise beschleunigt das Impfprogramm. Impfungen in Polen werden ausschließlich mit BioNtech/Pfizer-, Moderna- und AstraZeneca-Impfstoffen durchgeführt. Fast 7,5 Millionen Menschen wurden bereits geimpft, mehr als 2 Mio. davon mit der zweiten Dosis des Impfstoffs.

Die dritte Welle der Covid-Pandemie ist immer deutlicher in der Wirtschaft Polens zu spüren. Der am 20.03.2021 eingeführte und am 27.03.2021 verschärfte teilweise Lockdown gilt bis zum 18.04.2021. Er sieht die Schließung von u.a. Hotels, Restaurants, Einkaufszentren (außer Lebensmittelgeschäften, Drogerien und Apotheken), Fitnessclubs, Sportanlagen, Friseuren und Kosmetikstudios vor. Dies trifft mit der sehr schlechten Wirtschaftsleistung dieser Branchen im vergangenen Jahr zusammen. Ein Großteil der von der Pandemie und insbesondere von dem aktuellen Lockdown betroffenen Firmen sind Familienunternehmen. Tausende Familien sind ohne festes Einkommen geblieben.

Auch große Unternehmen hat die Pandemie nicht erspart. Die Zahl der Fluggäste, die im Jahr 2020 auf dem Flughafen Posen-Lawica bedient wurden, sank auf das Niveau von vor 15 Jahren und belief sich auf weniger als 660 Tausend Reisende im Vergleich zu 2,4 Millionen in 2019. Seit März 2020 fand in Posen keine Messe in dem Ausmaß wie vor der Koronakrise statt. Während es der Gruppe MTP - Internationale Messe Poznan GmbH -relativ gut geht (das Messegelände wurde für ein Feldkrankenhaus und das größte Impfzentrum Posens, wo täglich bis zu 3.000 Menschen geimpft werden, vermietet), befinden sich Unternehmen aus den messeverwandten Branchen (Design, Bau und Betrieb von Messeständen) in einer Krisensituation. Für 3 Wochen (bis Ende April 2021) wurde die Produktion im Volkswagen Werk in Września nahe Posen – bei dem weltweit einzigen Hersteller von VW-Crafter – eingestellt. Die Fertigung konnte nicht fortgesetzt werden, da die Unterlieferanten (Unternehmen aus Texas in den USA und aus Japan) ihren Verpflichtungen nicht nachgehen. Der Bruch der Lieferkette wurde jedoch nicht so sehr durch die Pandemie beeinflusst, sondern durch das Aufeinandertreffen anderer Umstände: Schneestürme in Texas und der Brand in der Fabrik in Japan.

Vor diesem Hintergrund zeigen sich die Beschäftigungsdaten besonders gut. Laut Eurostat ist Polen derzeit das Land mit der niedrigsten Arbeitslosigkeit in der gesamten Europäischen Union: 3,1%, vor dem bisherigen Spitzenreiter - der Tschechischen Republik (3,2%). Menschen, die ihren Arbeitsplatz im Dienstleistungssektor verlieren, finden ihn wieder in der Produktion. Die Dynamik der Industrieproduktion war schwacher im April und Mai 2020, d.h. in der ersten Pandemiewelle, sie konnte aber schnell die Verluste ausgleichen und übertraf bereits im 3. Quartal 2020 das Niveau vom Vorjahr. Die zweite Welle der Pandemie hatte keine Auswirkungen mehr auf die Industrieproduktion in Polen. Die dritte Welle der Pandemie erhöhte paradoxerweise den Bedarf an Mitarbeitern in der Industrie. In Polen werden durchschnittlich etwa 300.000 Menschen täglich unter Quarantäne gestellt. Ein großer Teil sind Produktionsarbeiter, die nicht zur Arbeit gehen können, und Fernarbeit stellt keine Alternative für sie dar. Hinzu kommen Menschen, die aufgrund der Schließung von Schulen und Kindertagesstätten kleine Kinder zu Hause betreuen müssen. Mitarbeiter, insbes. für kurze Zeitabschnitte, werden dringend gesucht. Das flexible polnische Arbeitsrecht fördert die Arbeiterströme zwischen den Wirtschaftssektoren und Branchen. Hinzuzufügen ist, dass der Anteil der Industrie an der Struktur des BIP in Polen ca. 1/3 ausmacht.

Die Konjunkturprognosen für Polen sind nach wie vor optimistisch. Die Weltbank geht weiterhin davon aus, dass das BIP Polens in diesem Jahr um 2,7% steigt (gegenüber dem Rückgang um 2,8% im Vorjahr) und 2022 um mehr als 5% wachsen wird, wodurch die Wirtschaft Polens bereits im nächsten Jahr das Niveau von vor der Pandemie erreichen wird.

 

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